Author Archives: maltefiala

Der Kitsch der Pflanze

Ideenfindung ist super, vor allem was den Kohleverbrauch angeht. Und damit meine ich die Brocken, die man aus der Erde schaufelt, indem man Öl ins Feuer gießt. Ideenfindung leicht gemacht bedeutet Schadens- (und damit Begriffs-) begrenzung, in diesem Fall “Living with Systems”, ein Thema, welches zwar nicht auf Pflanzen abzielt, “living systems” aber unmittelbar einfällt. Der Vorgang beginnt bei mir also immer gleich: erste, naheliegendste Option sofort abschalten. Keine Pflanzen, keine Pflanzen, keine Pflanzen, keine Pflanzen.

Zehn Ideen später: Mhm, ich könnte doch so eine Pflanze in einen Wettersimulator reinstellen. Also ein volltransportables Gewächshaus, klein und handlich. Aber natürlich in einem Glassturz, sonst ist es fad.

Und dann zuerst einmal die Psychowatschen, doch noch das Naheliegendste genommen zu haben und zweitens die Frage des Kitsch. Weil da fällt mir zuerst einmal die Pflanzenwand von Laurent Mignonneau und Christa Sommerer ein:

Und dann natürlich die Frage was Kitsch ist. Also im Pflanzenhain stehen ist ja eigentlich was schönes, romantisches, die Romantik, aja. Und wo in der Wikipedia schnell mal mit

Kitsch steht zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters emotional minderwertigen, sehnsuchtartigen Gefühlsausdruck. In Gegensatz gebracht zu einer künstlerischen Bemühung um das Wahre oder das Schöne, werten Kritiker einen zu einfachen Weg, Gefühle auszudrücken, als sentimental, trivial oder kitschig.”

geantwortet wird, will sich die Wissenschaftliche Redaktion des Dudens (Herkunftswörterbuch 2001) da nicht so festlegen.

“[…]>> streichen, schmieren; zusammenscharren; entlangstreichen, rutschen, flitzen<< das wohl lautnachahmender Herkunft ist”

Also Pflanzen als sehr gefühlsbestärkende “living-systems”. Wobei ja Gefühlsverstärkend nicht negativ ist, sein kann. Sonst wäre ja jedes Buch und jeder Film Kitsch. Oder überhaupt jedes künstlerisches Werk. Womit wir wieder bei Mignonneau und Sommerer wären. Und ganz generell: bei den Pflanzen. Weil Kitsch getan haben die ja niemandem. Und romantisieren kann man sie eigentlich ja auch nicht, sexualisieren vielleicht, aber mit Romantik hat die Pflanze selbst ja wenig zu tun. Mehr als in der Natur herumstehen und darauf warten, dass eines der letzten lebenden Bienchen kommt und sie, also ihr Erbgut, mitnimmt tut sie ja nicht. Auch sexualisierend ist schwierig bei der Pflanze an sich. Zwar kann man die Ähnlichkeit mit menschlichen Sexualorganen oftmals erkennen, aber Pflanzen können sich ja nicht einmal paaren. Arme Schweine.

Es sind also die äußeren Gegebenheiten, die einer Pflanze Romantik verleihen. Der Wind, der durch die Gerste streicht, die Bienen, die anmutig ihr Haupt in der Pflanze versenken, die Menschen, die ihre Nasen gefühlvoll in Blumen eintauchen und sich immer wieder eine pflücken um andere mit deren (ab nun langsam schwindenen) Farbenpracht zu beglücken.

Romantisch, absurd gefühlsbetont kitschig also. Und nachdem nix dagegen spricht: mach ichs halt. Jaja, man ist mehr Liebe zum Projekt gewöhnt von Künstler_innen, aber im Hinterkopf ist da ja bei jedem Projekt dieses Stimmchen das zweifelt. Hinfort gebiet ich dir bei meiner Gunst, usw, usf..

Zuerst also die Recherche. Und da gibts ja schon einiges interessant anzuschauendes:
living air filter, 1, 2” von Mathieu Lehanneur,
IV plant pot” von Vitamin livings,
Groasis Waterboxx” von AquaPro und
Andrea Air Purifier” von LaboGroup.

Und letzten Endes nun konkret zu meinem Projekt, dem Greenbeam (Arbeitstitel). Meine Idee ist es, eine Pflanze in einem einsehbaren, schön gestaltetem Glasbehältnis (Ich tendiere zu einem zylinderartigen Gebilde. Diskussionen über den Schönheitsbegriff werde ich jetzt nicht anreißen, ich meine damit: so, dass es mir gefällt) einzuschließen, wobei die darin herrschenden Wetterbedingungen mittels eines Reglers an die an realen Orten vorherrschenden angepasst werden können.

Die Daten für das Projekt werde ich entweder dem:
–  National Data Buoy Center oder
Pachube entnehmen.

Und dann am Ende des Postings noch zwei hübsche Drafts, rein visuell natürlich, weils so hübsch ist:
good
bad

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